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Konzept / Lifetime Cheat / Carlo Suszek

Selbstoptimierung dank technischen Fortschritts, Bio- und Mind- Hacking u.a. sind Techniken, die die Idee des Transhumanismus bereits heute für den Menschen bereithält, um zukünftig Unsterblichkeit und ein Leben ohne Krankheit zu ermöglichen. Die Theorie vom Spiegelneuronen- System ist eine, die momentan (2024) noch mehr Interpretationen als fundierte Beweise verspricht.

Ein Spiegelneuron ist eine Nervenzelle im Gehirn von Primaten, die beim Beobachten einer Handlung das gleiche Aktivitätsmuster zeigt wie bei deren Ausführung. Auch durch früheres Lernen verknüpfte Geräusche lösen dasselbe Aktivitätsmuster aus. 1992 von Giacomo Rizzolatti entdeckt, wird heute diskutiert, ob sie bei Imitation und Empathie eine Rolle spielen. 2002 fand die erste Untersuchung eines mögliches Spiegelneuronensystem beim Menschen statt. 2010 gelang der erste Nachweis beim Menschen. Die heutige Hirnforschung bestätigt auf MRT –Datenbasis die Beteiligung von Spiegelneuronen an sozialen Prozessen und beim Erkennen und Nachahmen von Bewegungen – einem Spiegelneuronen-System oder Regionen mit Spiegeleigenschaften.

Stell Dir vor, Du kannst Dein Leben verlängern, indem Du diese Komposition hörst.

Die Klangcollagen- Komposition Lifetime Cheat setzt in einer möglichen transhumanistischen Zukunft an. Sie verweist hierbei auf mögliche Effekte einer anwendungsbasierten Ansteuerung von Spiegelneuronen beim Menschen. Für ein langes Leben seien 8000 Schritte täglich zu laufen, so eine Studie von 2024. Dank des Durchbruchs in der Theorie um das Spiegelneuronen- System können nun die durch früheres Lernen verknüpften Geräusche einer Handlung an das gleiche Aktivitätsmuster im Gehirn gebunden werden, welches konkrete physische Handlungen auslöst. So genügt allein das Geräusch von 8000 Schritten täglich zum Zweck einer verlängerten Lebenszeit. Physische Bewegungen sind obsolet.

Anweisung zur aktiven Lebensverlängerung durch passives Hören:

Der Effektivität wegen sind die Geräusche von Schritten auf den Medien (Gras, Wald, Sand, Beton, drinnen und draußen) gestaucht/verkürzt. Empfohlen wird ein auditiv- meditatives Hören des Werkes in einem Durchlauf. Ungeduldige 200 Jahre- Menschen von Morgen seien vorab auf die letzten 49s verwiesen. Zu Beginn hören Sie 8000 Schritte eines Tages in 15 Sekunden. Es folgen die Geräusche über einen Zeitraum von 30 Tagen (0,5s), 1 Jahr (6s), 18 Jahre (56s), 126 Jahre (6.32 min) und 200 Jahre (49s). Erkennbare Schritte in Echtzeit begleiten die auditive Behandlung, präsentiert als lebensverlängerndes Sound- Ereignis.

Quellen:

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2763292

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S147444221470136X

https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667%2821%2900302-9/fulltext

Konzept / Kreisläufe / Carlo Suszek

Das Stück ‚Kreisläufe‘ beschäftigt sich mit der Frage, ob Lebewesen mit verschiedenen Lebenszyklen innerhalb eines konstant messbaren Zeitrahmens unterschiedlich empfundene Zeit erleben. Anders gefragt: Teilen alle Lebewesen dasselbe Zeitgefühl?

Im Film ist ein Siebenpunkt-Marienkäfer zu sehen, der unbeirrt am oberen Rand eines Trinkglases im Kreis läuft. Gelegentlich macht er kurze Pausen, nur um dann seinen Weg fortzusetzen. Am Boden des Glases sprießt eine noch recht junge Avocadopflanze aus einem Kern.

Der Marienkäfer hat eine Lebenserwartung von maximal 12 Monaten, während eine in einem Gefäß heranwachsende Avocadopflanze bis zu 20 Jahre alt werden kann – in freier Wildbahn kann sie sogar ein Alter von 50 Jahren erreichen. Der Betrachter und Filmer selbst ist ein Mensch mittleren Alters, dessen Herz im Durchschnitt zwischen 70 und 90 Mal pro Minute schlägt. Um die Koexistenz und die Gleichzeitigkeit dieser drei Lebensspannen, welche unterschiedlichen Stoffwechselprozessen zugrunde liegen – des Marienkäfers, der Avocado und des Menschen – musikalisch zu vermitteln, werden unterschiedliche Metren, die gemeinsam eine polymetrische Struktur ergeben, abwechselnd u.o. gleichzeitig zum Erklingen und Verstummen gebracht. Den Kern des Werks bildet hierbei ein Klavierstück, das den Marienkäfer repräsentiert und von seiner Beweglichkeit und Unruhe inspiriert ist. Ein Ausschnitt dieses Themas, um das Zwanzigfache verlangsamt, steht als Klangfläche für die Avocadopflanze. Fundiert wird das Ganze durch den menschlichen Herzschlag, der hier transkribiert und als Sound durch eine synthetisch modifizierte Bassdrum erklingt, die nicht immer synchron verläuft.

Ob sich letztlich alle hier vertretenen Lebensformen trotz ihrer unmittelbaren Nähe im Film der Existenz der jeweils anderen bewusst sind, bleibt ebenso zu hinterfragen wie die offenkundige Lust des Marienkäfers, seine beschränkte Lebenszeit mit Kreislaufen zu verschwenden…